Dominikaner im Nationalsozialismus
1931 schrieb der linkskatholische Publizist Walter Dirks über den im Kleinbürgertum und Bauerntum verwurzelten deutschen Katholizismus:
"So gesichert er religiös ist, so anfällig wird er dann sozial sein.
Diese Anfälligkeit braucht sich nicht in einem
Massenabfall zur NSDAP auswirken: sie kann sich auch als innere
Faschisierung des politischen Katholizismus auswirken.
In der Tat lagen sogar schon deutliche Anzeichen
in dieser Richtung vor; die gemäßigten Formen des deutschen Faschismus
fanden vor allem in der katholischen Jugend schon viele Sympathien...Die
Worte 'Autorität', 'Vertrauen zum Führer', 'Ruhe und Ordnung' finden
ein geneigtes Ohr.
Vom Wirtschaftsprogramm der NSDAP zum
'Solidarismus', zum 'Ständestaat' und ähnlichen im Katholizismus
weitverbreiteten Vorstellungen ist kein sehr weiter Weg. Die Front gegen
'Liberalismus und Materialismus', die der NS behauptet, deckt sich zu
einem Teil mit einer entsprechenden katholischen Front, und auch der
Antimarxismus wird lebhaft verstanden."
"Was Dirks befürchtete, traf wohl auch für die Mehrheit der deutschen Dominikaner zu."
So schreiben im Jahr 1995 die Dominikaner P. Dr.
Paulus Engelhardt OP, (Jahrgang 1921, Eintritt in den Dominikanerorden
1939) und P. Dr. Willehad Paul Eckert OP (Jahrgang 1926, Eintritt in den
Dominikanerorden 1945) selbstkritisch in ihrem Beitrag „Die deutschen
Dominikaner im "Dritten Reich"“ zum 100. Jahrestag der Wiedergründung
der Dominikanerprovinz Teutonia in Deutschland.
Diese Seiten handeln von den Schwierigkeiten, die
Geschichte der deutschen Dominikaner in der NS-Zeit nachzuzeichnen; sie
versuchen die Anpassung und Verstrickung wie im Fall des Dominikaners
Korbinian Roth zu beschreiben, aber auch den vorhandenen Widerstand,
soweit er – wie im Falle des Braunschweiger Dominikaners Odilo Braun und
des Leipziger Dominikaners Aurelius Arkenau – durch kirchenhistorische
Forschung mittlerweile gesichert ist.




